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Italien
Der perfekte Trip durch Norditalien
Übersetzung: Andrea Bierle, überarbeitet von Digital Redaktion
In Mailand die Mode, in Venedig die Kunst und dazwischen von den Ausläufern der Alpen, bis an die Strändeeine Landschaft, die mit glasklaren Seen und sanften Weinbergen prädestiniert ist für das Dolce Vita. Keine Frage: Dieses Fleckchen Erde wurde von der Muse geküsst!
Lonely Planet nimmt dich in diesem Beitrag mit durch 4 Stationen auf den perfekten Trip durch Norditalien.
Der Reiseplan
Unsere Route führt von der pulsierenden Designmetropole Mailand an der Po-Ebene,wo hartes Business auf schöne Künste trifft, über die romantischen Ufer des Comer Sees bis zu den Weinbergen des Veneto, um noch mehr dem süßen Leben in Soave und Bassano del Grappa zu frönen und schließlich in die schwimmende Kunstgalerie Venedig – diese Route vereint alles, was das Herz höher schlagen lässt.
Hier treffen jahrhundertealte Traditionen auf modernste Kreativität, weltberühmte Architektur auf versteckte Genüsse, und überall duftet es nach Espresso, gutem Wein und der besonderen italienischen Leichtigkeit des Seins. Ein herrlicher Roadtrip!
1. Station - Mailand
La bella figura, die Kunst, überall eine gute Figur zu machen, gehört zum italienischen Lebensstil wie die Pasta zum primo piatto. Mailand verkörpert diese Philosophie perfekt: Die Hauptstadt der Lombardei ist rastlos, eine Stadt, in der die Anzeigetafeln der Metrostationen die Zeit in halbminütlichen Einheiten bis zur nächsten Bahn runterzählen. Doch die rund 3,2 Millionen Einwohner können auch Pause – die gönnen sie sich tagsüber bei einem cremigen Gelato oder spritzigem Aperitivo.
Mailand ist ein stadtgewordener Designtempel: Es ist das Zentrum der Mode, in dem alle großen Labels von Gucci bis Prada ihre Kreationen in stylishen Shops präsentieren. Der Domplatz mit seiner extravaganten gotischen Kathedrale bildet das prunkvolle Herz, umgeben von der „Galleria Vittorio Emanuele II" – einem Shopping-Tempel mit revolutionärer Glaskuppel aus den 1870ern.
Ein absolutes Highlight ist das Museo del Novecento im Palazzo dell'Arengario. Das mit Kunst aus dem 20. Jahrhundert vollgestopfte Museum beherbergt Werke von Boccioni bis Fontana. Unbedingt aufsuchen: die schöne Bar im obersten Stockwerk mit Domblick!
Vier Metrostationen westlich liegt die „Spazio Rossana Orlandi", eine Galerie mit Shop, die aufregendes Design unter dem Dach einer alten Krawattenfabrik vereint. Noch spektakulärer ist die Fondazione Prada: Star-Architekt Rem Koolhaas verwandelte eine ehemalige Destillerie mit einem goldenen Turm in ein Kulturensemble von Weltrang. Das Highlight ist die von US-Kultregisseur Wes Anderson gestaltete „Bar Luce" im schönsten Retro-Look – ein Instagram-Traum!
Für den perfekten Aperitivo pilgert das Business- und Kreativvolk seit den 1960ern in die legendäre „Bar Basso", wo der Negroni Sbagliato erfunden wurde. Die Mailänder sind offen für Neues, aber noch viel lieber mögen sie ihre Klassiker.
2. Station - Comer See
George Clooney hat es vorgemacht: Seit der Schauspieler 2002 die Villa Oleandra in Laglio erwarb, ist der Comer See endgültig zum Sehnsuchtsort geworden. Doch die Faszination für diesen Y-förmigen Gletschersee reicht weit zurück – bereits im 18. Jahrhundert entdeckten wohlhabende Mailänder die Region als Sommerresidenz.
Von Como aus, nur 40 Kilometer nördlich von Mailand, verkehren regelmäßig Fähren zu den malerischen Orten am See. Die Fahrt nach Bellagio dauert etwa eine Stunde und bietet spektakuläre Ausblicke auf die von Zypressen gesäumten Ufer mit schneebedeckten Alpen im Hintergrund.
Bellagio, die „Perle des Comer Sees", thront majestätisch auf der Landzunge, wo sich die beiden südlichen Arme treffen. Das Grandhotel Villa Serbelloni aus dem 19. Jahrhundert ist seit jeher Anlaufpunkt für Prominente. Wer sich den Luxus nicht leisten kann, sollte zumindest einen Aperitif auf der Terrasse mit Seeblick genießen. Die verwinkelten Gässchen laden zum Bummeln ein, während die Terrassengärten der Villa Melzi d'Eril mit ihrer Sammlung exotischer Pflanzen begeistern.
Ein absoluter Geheimtipp ist die Villa del Balbianello in Lenno, die durch Auftritte in James-Bond-Filmen und „Star Wars" Berühmtheit erlangte. Die auf einer Halbinsel gelegene Villa ist nur per Boot oder zu Fuß erreichbar und bietet eine der romantischsten Kulissen am gesamten See.
3. Station - Soave und Bassano del Grappa
Von den Ufern des Comer Sees führt die Reise ostwärts ins Veneto, wo sich eine der bedeutendsten Weinregionen Italiens erstreckt. Soave, nur 20 Kilometer östlich von Verona, ist mehr als nur ein Name auf der Weinflasche. Das mittelalterliche Städtchen wird von einer imposanten Burg überragt und ist umgeben von Weinbergen, die sich terrassenförmig die Hügel hinaufziehen.
Der Soave-Wein, ein eleganter Weißwein aus der Garganega-Traube, genießt seit 1968 DOC-Status. In renommierten Kellereien wie Pieropan oder der Cantina del Castello können Besucher die verschiedenen Qualitätsstufen verkosten – vom frischen Soave Classico bis zum komplexen Recioto di Soave, einem süßen Dessertwein aus getrockneten Trauben.
Eine Autostunde nördlich liegt Bassano del Grappa, malerisch am Fuße der Dolomiten. Die Stadt verdankt ihren Namen dem Monte Grappa und ist die Heimat des berühmtesten italienischen Brandys. Die Destillerie Nardini, 1779 gegründet und damit eine der ältesten Grappa-Brennereien Italiens, befindet sich direkt an der berühmten Ponte Vecchio. In der angeschlossenen Bar können Besucher verschiedene Grappa-Sorten probieren – vom klassischen Grappa di Prosecco bis zu gereiften Varianten aus verschiedenen Barriques.
Moderne Produzenten wie Jacopo Poli haben die Grappa-Herstellung revolutioniert und das einst rustikale Bauerngetränk in elegante Destillate verwandelt. Die Führungen in Polis Destillerie geben faszinierende Einblicke in die Kunst der Destillation.
4. Station - Venedig
Keine Stadt der Welt polarisiert so sehr wie Venedig. Während die einen vor Overtourism warnen, verzaubert die Lagunenstadt nach wie vor Millionen von Besuchern. Und das zu Recht: Venedig ist ein lebendiges Museum, ein architektonisches Wunder, das seit über 1.500 Jahren den Gezeiten trotzt.
Der Markusplatz mit seinem byzantinischen Dom und dem eleganten Dogenpalast bildet das Herz der Stadt. Doch das wahre Venedig entdeckt man abseits der Touristenströme in den Sestieri Cannaregio oder Castello, wo das Leben der verbliebenen 50.000 Einwohner seinen authentischen Rhythmus behält.
Die Kunstszene Venedigs ist lebendiger denn je. Die Biennale, 1895 gegründet, findet alle zwei Jahre statt und verwandelt die Stadt in eine internationale Kunstmetropole. Nicht minder bedeutend sind die Internationalen Filmfestspiele, die jeden September den Lido in einen glamourösen Schauplatz verwandeln.
Für Kunstliebhaber sind die Peggy Guggenheim Collection und die Fondazione Pinault in der Punta della Dogana unverzichtbar, wo zeitgenössische Kunst in spektakulärer Kulisse präsentiert wird.
Das kulinarische Venedig hat sich stark entwickelt. Während man Touristenrestaurants am Markusplatz meiden sollte, findet man in den Bacari – den traditionellen venezianischen Weinbars – authentische Cicchetti und lokale Weine. Restaurants wie „Antiche Carampane" oder „Al Covo" stehen für die neue venezianische Küche, die Tradition mit Innovation verbindet.
Praktische Hinweise
Die beste Reisezeit ist April bis Juni und September bis Oktober. Mailand erreicht man direkt per Flug oder bequem mit dem Zug. Für die Weiterreise empfiehlt sich ein Mietwagen für maximale Flexibilität. Venedig sollte man mindestens zwei Tage einplanen – eine Fahrt mit dem Vaporetto auf dem Canal Grande bei Sonnenuntergang bleibt unvergesslich, auch wenn man sie mit vielen anderen teilt.